Joseph Mugasa wurde 1962 auf der Flucht geboren. Zu dieser Zeit wurden viele Tutsi aus Ruanda vertrieben. Seine Eltern flohen zunächst nach Uganda. Bei einem reichen Mann versuchten sie Unterschlupf zu finden, was er ihnen aber verweigerte. So musste Josephs Mutter ihn draußen in einer Bananenplantage zur Welt bringen.
Josephs Vater war sehr, sehr arm. Er verließ seine Familie bald, weil er nicht dabei sein wollte, wie sie starb. Joseph und seine Mutter aber starben nicht. Doch Joseph wuchs in einem großen Hass auf: Er konnte seinen Vater nicht lieben, er hasste Ugander, die sie als Flüchtlinge leiden ließen, und er hasste Hutu, die sie des Landes vertrieben hatten.
Als junger Erwachsener wurde Joseph Christ und bekam die Möglichkeit in Tansania Theologie zu studieren. Er sagte: „Das waren alles schöne Worte aber ich war innerlich immer noch tief verletzt.“ So wurde er Pastor einer Kirche von Flüchtlingen in Tansania. Während des Völkermordes in Ruanda 1994 sah er die Tausende von Toten, die den Akagera-Fluss hinunter schwammen. Seine ganze in Ruanda verbliebene Familie kam um und sein Hass auf die Hutu wuchs. Er dachte darüber nach Rache zu üben, selbst als Pastor.
Nach dem Völkermord kehrte er nach Ruanda zurück und begann auch dort als Pastor in einer Kirche zu arbeiten. Er sagte sich: „In meine Kirche kommen mir keine Hutu.“ Die Gemeinde bestand dann aus Überlebenden des Völkermordes und zurückgekehrten Tutsi.
Wenige Jahre später geschah es, dass er an einem Versöhnungsseminar teilnahm, was von Hutu und Tutsi gemeinsam geleitet wurde. Er sträubte sich gegen das, was von dem Hutu-Leiter gesagt wurde. So fing Joseph an ihn auf übelste Weise zu beschimpfen und ihm sehr emotional alles vorzuwerfen, was die Hutu in seinem Leben verbrochen hatten: „Es war, als ob ich Pfeile gegen ihn schießen würde.“ Dann geschah das für ihn das Unerwartete: Nach all den Beleidigungen kam keine gleichwertige Antwort, sondern dem Hutu-Leiter des Seminars liefen die Tränen herunter. Er kam zu Joseph, warf sich zu seinen Füßen und bat ihn inständig um Vergebung für das, was Hutu in Josephs Leben angerichtet hatten. Dieses Erlebnis veränderte Joseph: „Dieser Hutu hat mir geholfen meine Wunden zu heilen. Bis dahin habe ich alle Hutu als Mörder angesehen; jetzt kann ich sie annehmen.“ Joseph konnte all seine Bitterkeit loslassen und die Kraft finden tatsächlich und tiefgehend zu vergeben. Sein Schluss war: „Die Tutsi brauchen die Hutu um zu heilen, und die Hutu brauchen für die Heilung ihrer Wunden die Tutsi.“
Mittlerweile besteht seine Gemeinde sowohl aus Tutsi und Hutu. Aber ein weiterer Ausdruck der tiefen Veränderung in Joseph war, dass er wenig später ein Hutu-Mädchen adoptierte. Ihr Vater saß wegen seiner Beteiligung am Völkermord im Gefängnis; sie hatte niemanden, der sich um sie kümmern konnte. Joseph nahm sie in seine Familie auf und liebte sie wie seine eigene Tochter. Nun ist sie verheiratet, und Joseph konnte sie bei der Hochzeit sogar als Brautvater zur Kirche führen.
Darüber hinaus hilft dieses Lebenszeugnis – nicht nur aus Worten sondern eben Taten – vielen anderen Menschen Heilung zu finden und zu vergeben.